Berater beraten nicht

Der Bankberater berät Sie nicht. Er verkauft Ihnen seine Produkte.

Der Finanzberater berät Sie nicht. Er verkauft Ihnen seine Produkte.

Der Versicherungsvermittler berät Sie nicht. Er verkauft Ihnen seine Produkte.

Wenn ein Berater oder Makler sich "unabhängig" nennt, bedeutet das letztendlich nur, dass er Ihnen Produkte von unterschiedlichen Anbietern verkaufen kann – sprich, von Versicherungen, Banken und Fondsgesellschaften. Aber es bleibt sein ausschließliches Ziel, Ihnen etwas zu verkaufen und dafür Provision zu kassieren.

Berater werden als allererstes fürs Verkaufen geschult. Erst in zweiter Linie wird ihnen das Produkt an sich erläutert. Berater erhalten jede Menge Seminare in Rhetorik, Überzeugen und Motivation. Sie besuchen Kurse in neurolinguistischem Programmieren (NLP). Der Berater eines großen deutschen Finanz-Vertriebs vertraute mir einmal an, dass er und seine Kollegen ab einer gewissen Ebene von Jesuiten unterrichtet würden. Alles nur, um sie zu Meistern in der Kunst des Verkaufens zu machen. Darauf legen diejenigen Mitarbeiter, die in der Verkaufsorganisation über ihnen stehen, den allergrößten Wert. Schließlich verdienen sie an den Abschlüssen ihrer Untergebenen kräftig mit. Die Verkäufer sollen Volumen erzeugen. Den Begriff für diesen Unternehmensaufbau haben Sie sicherlich schon einmal gehört. Man nennt das Strukturvertrieb.

Der Begriff "Berater" ist höchst inkorrekt. Deswegen werde ich ihn im Weiteren auch nur noch in Anführungszeichen verwenden. Finanz-Verkäufer sollte es heißen!

In der Welt des Geldes gibt es nur einen einzigen Typ Berater, der Sie tatsächlich BERÄT. Einen Mentor, dessen einziges Interesse es ist, Sie schlau zu machen. Denn er wird direkt für die Zeit bezahlt, die er Ihnen widmet. Er bekommt keinerlei Provisionen von der Finanzindustrie.

Die Rede ist vom Honorarberater – eine seltene Spezies. In Deutschland arbeitet gerade mal einer von 500 Beratern auf Honorarbasis.

Dabei ist der Honorarberater der wertvollste für Sie. Der, der Ihnen den größten Vermögenszuwachs in Ihrem Leben verschaffen kann. Es ist nicht ganz einfach, privaten Anlegern diesen Wert zu verdeutlichen. Sie zahlen dem Honorarberater vielleicht ein paar hundert Euro Gebühr, dem Finanz-Verkäufer dagegen Zigtausende. Trotzdem rennen die Menschen ungebremst zum Finanz-Verkäufer. Warum tun sie das? Warum vertrauen sie all Ihre Ersparnisse, auch die künftigen, einem Versicherungsmakler an, den sie erst heute morgen kennengelernt haben?

 

Deswegen vertrauen Sie sich dem Berater trotzdem an

Es ist umstritten, ob das folgende Experiment wirklich genau in der berichteten Form durchgeführt wurde. Möglicherweise weist es leichte Abweichungen in der Durchführung auf. Dessen ungeachtet trägt diese Geschichte eine großartige Lehre in sich.

Das Experiment wird einer Gruppe von Wissenschaftlern um einen gewissen Harry Harlow zugeschrieben. Sie brachten fünf Affen in einen Käfig. In der Mitte war eine Leiter mit Bananen am oberen Ende. Jedes Mal, wenn ein Affe die Leiter hinaufkletterte, wurden die restlichen Affen mit kaltem Wasser bespritzt.

Bald schlugen die anderen Affen denjenigen Affen, der versuchte die Leiter hochzuklettern.

Von nun an versuchte keiner der Affen mehr hochzuklettern.

Die Wissenschaftler beschlossen einen der Affen auszutauschen. Der neue Affe versuchte, die Leiter hochzuklettern. Die anderen Affen schlugen ihn sofort, und nach einigen Schlägen lernte der Neue, dass er die Leiter nicht hochklettern durfte – obwohl er nicht wusste warum.

Ein weiterer Affe wurde ausgewechselt und dasselbe Szenario lief ab. Auch der erste ausgewechselte Affe schlug den zweiten Neuen. Nun wurde ein dritter Affe ausgetauscht, und alles wiederholte sich. Dann wurde der vierte Affe ausgetauscht und zum Schluss der fünfte Affe.

Übrig blieb eine Gruppe von fünf Affen, die, obwohl sie nie eine kalte Dusche bekommen hatten, Jeden verprügelten, der es wagte, die Leiter hinaufzuklettern.

Wenn es möglich wäre, die Affen zu fragen, warum sie das taten, was würden sie wohl antworten?

 

"Ich weiß auch nicht."

"Das haben wir schon immer so gemacht."

"Das machen doch alle."

 

Eine ähnliche Haltung haben die Menschen zu unserem Thema hier: "Meinen Bankberater kenne ich seit zwanzig Jahren. Der wird mir schon nichts Falsches erzählen."

Ändern Sie einmal Ihren Blickwinkel. Machen Sie nicht automatisch das, was alle Anderen machen. Die Welt ist voller Möglichkeiten.

 

Unsere automatische Bequemlichkeit ist indes nicht der einzige Grund, der uns dem "Berater" folgen lässt.

Wenn Finanz-Verkäufer reden, klingen sie nicht nur überzeugend, sie klingen auch immer sehr angenehm. Sie sind freundliche Menschen. Wir mögen sie. Das lässt sich beileibe nicht von jedem Dienstleister sagen. Denken Sie an den öffentlichen Dienst oder an die gefürchtete original Berliner Kellnerin.

Doch hier kommt mal Jemand, der wirklich nett zu uns ist. Das geben wir ihm gern zurück. Wir wollen selbst geliebt werden und handeln daher bevorzugt nach Sympathie. Noch so ein Denkfehler, der ganz einfach zu verstehen ist – und der uns doch so häufig unterläuft. Man nennt ihn Linking Bias.

Vor Unterzeichnung eines Auftrags ist es deshalb sinnvoll, sich das Investment einmal ohne den freundlichen Projektanbieter vorzustellen. Lassen Sie außer acht, dass er ebenso gern die Champions League schaut wie Sie. Das trägt entscheidend zur realistischen Einschätzung bei.

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Das Anti-Budget

"Geben Sie nicht so viel von Ihren Einnahmen aus, wie Sie wollen, und sparen dann, was übrig bleibt. Sparen Sie zuerst und geben dann aus, was übrig bleibt." Warren Buffet.

Der amerikanische Investmenthexer und Multimilliardär hat eine beachtliche Sammlung an guten Ratschlägen vorzuweisen. Dieser ist aus meiner Sicht der wertvollste von allen.

Wenn Sie sich an diese wirklich simple Strategie halten, erleben Sie einen großartigen Nebeneffekt: Es entbindet Sie von der Pflicht, ein Haushaltsbuch führen zu müssen. Wer macht das schon freudvoll und zuverlässig?

Sie erstellen von nun an Ihr persönliches Anti-Budget:

 

  1. Entscheiden Sie, wieviel Sie sparen möchten*

  2. Legen Sie diesen Betrag zu BEGINN des Monats beiseite

  3. Entspannen Sie sich, was den Rest anbelangt

 

Ist das nicht erfreulich simpel?

 

*Legen Sie zehn Prozent Ihres Nettoeinkommens beiseite. Allermindestens fünf sollten es definitiv sein. Wenn Sie es schaffen, gehen Sie auf mehr als zehn.

Hatten Sie eben einen Gedanken wie "Zehn Prozent, das ist nun wirklich unmöglich, bei all den Ausgaben, die ich regelmäßig habe"?

Ganz sicher ist es nicht unmöglich. Erscheint Ihnen dieses Ziel jedoch für den Moment noch zu hoch gegriffen, dann fangen Sie mit EINEM einzigen Prozent an. Falls Sie 3000 Euro verdienen, sparen Sie 30 davon. Im nächsten Monat sparen Sie zusätzlich EIN Prozent. Gerade mal weitere 30 Euro.

Wenn Sie das gut vier Jahre lang durchziehen, legen Sie 50 Prozent Ihres gesamten Einkommens an. Damit erreichen Sie sehr schnell absolute finanzielle Unabhängigkeit. Dieser Ansatz kursiert im Internet übrigens als One Percent Challenge.

Sie müssen es freilich nicht dermaßen auf die Spitze treiben. Gehen Sie aber wenigstens bis zehn Prozent.

Wichtig hierbei ist, dass Sie es regelmäßig tun. Am besten, Ihr Sparen läuft automatisch ab. Richten Sie einen Dauerauftrag ein, direkt von Ihrem Gehaltskonto auf Ihr Unterkonto "Sparen". Falls Sie Ihrer eigenen Disziplin noch nicht trauen, machen Sie einen Tresor daraus: Legen Sie zusammen mit Ihrer Bank fest, dass Sie an das Unterkonto nur unter besonderen Voraussetzungen herankommen. Machen Sie beispielsweise zur Bedingung für eine Abhebung, dass eine zweite Person mit unterschreibt. Das kann Ihr Partner, ein Familienmitglied oder guter Freund sein.

An den Tresor gehen Sie nicht dran. Niemals Es werden hier keine Ausnahmen gemacht, sonst wäre es ja kein  Tresor. Das Geld darin ist zum langfristigen Anlegen bestimmt.

Glauben Sie mir, Sie werden diese zehn Prozent bald nicht mehr vermissen. Es wird sich so anfühlen, als hätten Sie sie nie gehabt. In der Zwischenzeit wird Ihr Tresor voller und voller.

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Die beste und sicherste Geldanlage ist das Sparbuch. Oder?

 

Deutschland im Sommer 1923. Ein Brot kostet 105 Milliarden Reichsmark, ein Straßenbahnticket 150 Milliarden Mark, ein Kilo Rindfleisch 4,8 Billionen.

Nichts geht mehr. Allem Anschein nach sind es nur noch knapp fünfzehn Minuten bis zum Weltuntergang. Wer diese Zeit erlebt hat, vergisst sie nie wieder.

 

Manche Forscher geben dem sogenannten tradierten Volksgedächtnis die Schuld daran, dass die Deutschen dermaßen ängstlich sind, wenn es ums Investieren geht. Keiner von uns hat die Hyperinflation der frühen Zwanziger noch selbst erlebt. Unsere Urgroßeltern dagegen schon. Sie haben ihren Kindern davon erzählt, und die wiederum ihren Kindern. So habe sich nach Forschermeinung die Angst vor finanziellem Risiko ins kollektive Unterbewusstsein gebrannt.

Wir schreiben das Jahr 2018. Es gibt seit sieben, acht Jahren keine nennenswerten Zinsen mehr. Trotzdem sind Sparbuch und Girokonto nach wie vor die beliebteste Geldanlage hierzulande. Direkt dahinter liegen Knüller wie Bausparvertrag und Lebensversicherung. Nicht einmal einer von zehn Deutschen besitzt Aktien.

 

Wir sind Weltmeister im Erfinden und Werte schaffen, aber Kreisklasse im Anlegen. Denn wir stellen vermeintliche Sicherheit weit über alle anderen Aspekte des Investierens.

Entsprechend wird das Sinnlos-Sparen nach wie vor als Investment beworben. Nicht nur die Bank Ihres Vertrauens, sondern auch diverse postmoderne Webseiten nennen Ihnen als brandheiße Tipps für sichere Geldanlagen Sparbuch, Sparbrief oder Ratensparplan.

Sicher ist sicher.

 

In Wahrheit ist das Sparbuch eine der schlechtesten Anlageformen, die es gibt. Sie verschenken damit im Laufe Ihres Lebens gigantische Beträge an die Banken. Das Verrückte ist, wenn Sie Angst vor Geldentwertung haben – nichts anderes ist Inflation – dürfen Sie erst recht kein Geld mehr auf dem Girokonto verschimmeln lassen. Denn dort findet sie statt. Investieren Sie aktiv, liebe Leser, und machen Sie sich bitte keine Sorgen mehr. Alles wird gut.

 

Am 15. November 1923 kam die sogenannte Rentenmark, als Übergangslösung und mit einem Umtauschkurs von einer Rentenmark zu einer Billion Mark. Die Bevölkerung nahm sie vertrauensvoll an. Alle Preise stabilisierten sich. Nach einer achtmonatigen Übergangszeit wurde dann 1924 wieder eine durch Gold und Devisen gedeckte Reichsmark eingeführt. Es war der Startschuss für die Goldenen Zwanziger Jahre.

 

Welches sind Ihre falschen Glaubenssätze? Ich kann das nicht, ich habe keine Zeit, die Profis sind dafür besser geeignet?  DAS. IST. NICHT. WAHR.

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Dipl-Kfm. Martín E. Hiller

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